A23 Ullrich-Turner-Syndrom (UTS, syn. Turner-Syndrom)
L. Neumann, J. Kunze

Stand: Januar 2002

ICD-10-Nummer: Q 96.9

DEFINITION UND BASISINFORMATION

Es handelt sich um phänotypisch weibliche Individuen mit in der Regel bestehendem Kleinwuchs, möglichen phänotypischen Merkmalen, ausbleibender spontaner Pubertätsentwicklung, überwiegend primärer Amenorrhö bei Streak-Gonaden aufgrund einer de novo entstandenen Chromosomenkonstitution mit ganz oder teilweisem Fehlen eines der beiden X-Chromosomen. Es kommt bei ca. 1:3000 neugeborenen Mädchen vor.

LEITSYMPTOME

Lineare Wachstumsdefizienz, ausbleibende Pubertät, primäre Amenorrhö, Pterygium colli, periphere Lymphödeme bei Geburt, Dysmorphiezeichen.

DIAGNOSTIK

Folgende Kriterien gelten als diagnostische Hinweise

Diagnostische Sicherung des klinischen Verdachts

Zusammenstellung einer gebräuchlichen Auswahl apparativer diagnostischer Verfahren

Echokardiographie ca. 1-2jährlich zur frühzeitigen Erfassung von strukturellen Herzklappenveränderungen.

Bewertung einzelner diagnostischer Verfahren

Endgültige Diagnose erbringt die Chromosomenanalyse aus Lymphozyten, im Zweifelsfall aus Hautfibroblasten.

Ausschlußdiagnostik

Eine weitere Diagnostik ist nicht erforderlich, da die Chromosomenanalyse eindeutige Ergebnisse liefert.

Nachweisdiagnostik

Ausschließlich Chromosomenanalyse.

Hinweise, wer welche diagnostischen Prozeduren ausführen soll

Pädiater, Endokrinologen, Kinder- und Jugendgynäkologen, Klinische Genetiker.

THERAPIE

Symptomatische Behandlung

Lymphdrainage bei Ödemen, ggf. HNO-fachärztliche Betreuung; in manchen Fällen ist eine Versorgung durch Hörgeräte erforderlich.

Medikamentöse Therapiemaßnahmen

Wachstumshormontherapie ab 6.-8. Lebensjahr in einem pädiatrisch-endokrinologischen Zentrum (Ansprechen auf Therapie sehr variabel).

Hormonelle Substitution zum Einleiten einer zeitgerechten Pubertät und Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale ab einem Knochenalter von 12 Jahren (möglichst durch pädiatrischen Endokrinologen); dann dauerhaft Substitutionstherapie von Östrogenen und Gestagenen.

Chirurgische Therapiemaßnahmen

Eventuelle Operation bei Vorliegen von Herzfehler oder operationsbedürftigen Nierenanomalien, präventive Gonadektomie bei Vorhandensein von Y-Chromosomenanteilen, da Gefahr der Malignitätsentwicklung besteht.

Therapiedurchführung

Pädiater in Zusammenarbeit mit pädiatrischen Endokrinologen, im Erwachsenenalter Frauenärzten, (evtl. Hausärzten).

BETREUUNG

LITERATUR
  1. Wiedemann H-R, J Kunze (eds.) 2001: Atlas der klinischen Syndrome. Schattauer Verlag, Stuttgart-New York, 5. Auflage, 92-93 (1995)
  2. Schinzel A (1996) in Leiber: Die klinischen Syndrome (eds. G. Adler, G. Burg, J. Kunze, D. Pongratz, A. Schinzel, J. Spranger), S. 861-862. Urban & Schwarzenberg Verlag, München-Wien-Baltimore
  3. Nathwani NC, Unwin R, Brook CG (2000): The influence of renal and cardiovascular abnormalities on blood pressure in Turner syndrome. Clin Endocrinol Oxf. 52 (3): 371-377
  4. Chernausek SD; Attic KM, Cara JF (2000): Growth hormone therapy of Turner syndrome. J Clin Endocrinol Metab 85 (7): 2439-2445