A18 Prader-Willi-Syndrom (PWS)
J. Murken

Stand: Januar 2002

DEFINITION UND BASISINFORMATION

Beim PWS stehen beim Säugling Muskelhypotonie und Ernährungsprobleme im Vordergrund; später Adipositas, Minderwuchs und Entwicklungsverzögerung. Auf ca. 25 000 Neugeborene kommt ein Kind mit PWS.

Verursacht wird das PWS (meist) durch Fehlen von Genen auf der proximalen Langarm-region des - vom Vater vererbten - Chromosoms 15 (15q11-13), entweder durch eine Deletion dieses Chromosomenabschnittes (ca. 70%) oder durch eine mütterliche uniparentale Disomie 15, d.h. beide Chromosomen 15 kommen von der Mutter, keines vom Vater (ca. 30%).

LEITSYMPTOME

1. Jahr: Muskelhypotonie, Trinkschwäche, Hypogenitalismus.

Ab 2.-3. Jahr: Hyperphagie, Adipositas, Minderwuchs, kleine Hände und Füße, diskrete Dysmorphiezeichen, mentale Retardierung.

DIAGNOSTIK

Zielsetzung

Diagnosesicherung mit Therapieeinleitung so früh wie möglich.

Klinische Diagnostik

Die Verdachtsdiagnose kann oft schon im Säuglingsalter klinisch und anamnestisch gestellt werden (intrauterin verminderte Kindsbewegungen, leicht erniedrigtes Geburtsgewicht, Anpassungsstörungen, Muskelhypotonie mit Trinkschwäche und Gedeihstörung, Hypogenitalismus). Muskelhypotonie im Säuglingsalter ist eine Indikation zur PWS-Diagnostik.

Später erfolgt die klinische Verdachtsdiagnose anhand der Leitsymptome.

Labordiagnostik

Molekulargenetik (DNA-Methylierungstest) und Zytogenetik (Chromosomenanalyse mit Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung zum Nachweis der Mikrodeletion 15q11-q13 und zum Ausschluß einer Translokation 15).

Mutationanalyse zur Bestimmung des Wiederholungsrisikos (Analyse mit elterlicher DNA).

Entwicklungsdiagnostik

Im Säuglingsalter Entwicklungsneurologie, später IQ-Testung.

Bewertung

Bei pathologischem Methylierungstest ist die Diagnose gesichert. Alle bekannten PWS-Mutationen werden damit erkannt, die Differenzierung zwischen den verschiedenen Mutationstypen erfordert weitere Analysen. Chromosomenanalyse mit FISH dient zum Nachweis der Mikrodeletion 15q11-q13 und der seltenen Translokationen 15.

Differentialdiagnosen: Im Säuglingsalter Erkrankungen mit Muskelhypotonie, z.B. Myopathien, später Erkrankungen mit Adipositas wie Bardet-Biedl-Syndrom, Cohen-Syndrom, Dystrophia adiposogenitalis Fröhlich.

Ausschlußdiagnostik

Methylierungstest, Restrisiko unter 1%.

Nachweisdiagnostik

Methylierungstest.

Entbehrliche Diagnostik

Die Bestimmung des Mutationstyps ist nur zur Abschätzung des Wiederholungsrisikos erforderlich.

Durchführung durch

Pädiater und Humangenetiker, ambulant.

THERAPIE

Kausale Therapie

Entfällt.

Symptomatische Therapie

Entwicklungstherapie, Steuerung des Eßverhaltens, Behandlung von Folgeerkrankungen der Adipositas wie Diabetes mellitus und kardiovaskuläre Komplikationen.

Medikamentöse Therapie

Evtl. Wachstumshormon bei nachgewiesenem Mangel.

Chirurgische Therapie

Entfällt.

Therapiedurchführung

Pädiater (Hausarzt) in Zusammenarbeit mit pädiatrischem Entwicklungsneurologen.

BETREUUNG/REHABILITATION/PROPHYLAXE

Allgemein: Nach Diagnosestellung - evtl. wiederholt - eingehende Aufklärung der Eltern über:

1. Lebensjahr:

Ab dem 2. Lebensjahr:

Einleitung sozialer Maßnahmen:

6. bis 14. Lebensjahr:

Adoleszenz:

LITERATUR
  1. Fridman C et al. (2000) PWS genetic tests and clinical findings. Genet Test: 4:387-392
  2. Rittinger O (2001) Clinical aspects and genetics of PWS. Klin Paed 213:91-98
  3. Smith A (1999) The diagnosis of PWS. J Paed Child Health. 35: 335-337