A11 Léri-Weill-Syndrom
S. Spranger

Stand: Januar 2002

DEFINITION UND BASISINFORMATION

Das Léri-Weill-Syndrom (= Dyschondrosteose) ist ein distinktes Kleinwuchssyndrom. Es ist charakterisiert durch eine Mesomelie, das heißt Unterarme und Unterschenkel sind besonders von der Verkürzung betroffen. Die Endgröße der Betroffenen schwankt zwischen 130 und 170 cm, sie kann also in Ausnahmefälle auch im unteren Normbereich liegen. Im Laufe des Lebens, meist während der Pubertät, entwickelt sich zudem eine bilaterale Madelung Deformität der Handgelenke. Vermutlich ist das Léri-Weill-Syndrom eine heterogene Erkrankung. Bei einigen Patienten sind Mutationen des SHOX-Gens nachgewiesen worden, in den meisten Fällen eine Deletion des gesamten Gens, seltener Punktmutationen innerhalb des Gens. Jeweils eine Kopie des SHOX-Gens befindet sich auf beiden Geschlechtschromosomen. Zwei intakte Kopien des Gens scheinen für ein normales Wachstum notwendig zu sein. Da sich das SHOX-Gen in der pseudoautosomalen Region der Geschlechtschromosomen befindet, erklärt sich der autosomal-dominante Erbgang, der in den meisten Familien beobachtet worden ist. Der Schweregrad des Kleinwuchses schwankt innerhalb der Familien sehr. Aus noch nicht geklärter Ursache sind Frauen häufiger und schwerer betroffen als Männer. Die Häufigkeit der Erkrankung wird auf 1:20 000 geschätzt, vermutlich ist sie höher, da viele Patienten aufgrund des niedrigen Leidensdruckes nicht in die Sprechstunden kommen.

LEITSYMPTOME

DIAGNOSTIK

Zusammenstellung diagnostischer Verfahren

Bewertung

Die klinische Diagnostik ist bei kleinen Kindern aufgrund der erst später manifest werdenden Madelung Deformität problematisch. Es gelingt aber häufig über die Untersuchung der Eltern zu der Diagnose zu kommen. Auch sind bei kleineren Kinder einige röntgenologische Zeichen der Madelung Deformität vorhanden.

Ausschlussdiagnostik

Nachweisdiagnostik

Entbehrliche Diagnostik

Entfällt.

Durchführung durch

Pädiatrie, Radiologie und Humangenetik.

THERAPIE

Medikamentöse Therapie

Zur Zeit wird in einer Studie untersucht, ob Patienten mit Léri-Weill-Syndrom ähnlich wie Patientinnen mit Turner-Syndrom von einer Therapie mit Wachstumshormon profitieren können.

Chirurgische Therapiemaßnahmen

Sehr selten ist bisher mit zweifelhaftem Erfolg versucht worden die bilaterale Madelung Deformität operativ zu korrigieren.

Betreuung/Rehabilitation/Prävention

LITERATUR
  1. Spranger S, Schiller S, Jauch A, Wolff K, Rauterberg-Ruland I, Hager D, Tariverdian G, Träger J, Rappold G (1999) Léri-Weill syndrome as part of a contiguous gene syndrome at Xp22.3. Am J Med Gen 83:367-371
  2. Schiller S, Spranger S, Schechinger B, Fukami M, Merker S, Drop SLS, Tröger J, Knoblauch H, Kunze J, Seidel J, Rappold GA (2000) Phenotypic variation and genetic heterogeneity in Léri-Weill syndrome. Eur J Hum Gen 8:54-62
  3. Langer LO (1965) Dyschondrosteosis. A hereditable bone dysplasia with characteristic roentgenographic features. Am J Radiology 95:178-186