A4 C. de Lange Syndrom
Stand: Januar 2002
DEFINITION
Das C. de Lange Syndrom (Brachmann de Lange Syndrom) ist eine in der Regel sehr charakteristische Form des primordialen Minderwuchses mit Mikrozephalie, meist geistiger Behinderung und sehr charakteristischen facialen Dysmorphien. Meist tritt dieses Syndrom sporadisch auf, die Ätiologie ist unbekannt, vermutet wird eine Mikrodeletion.
Häufigkeitsangaben: 0,6:100 000 bis 1:10 000.
LEITSYMPTOME
Intrauteriner Minderwuchs, Mikrozephalie, halbkreisförmig gewölbte, buschige Augenbrauen mit Synophris, kurze Nase, langes Philtrum, schmales Oberlippenrot mit medianer Prominenz.
DIAGNOSTIK
Zielsetzung
Die Diagnose erlaubt Aussagen zur Prognose und zum sehr geringen Wiederholungsrisiko.
Klinische Diagnostik
Primordialer Minderwuchs, Mikrozephalie, typische Facies, erhebliche Entwicklungsverzögerung. Nicht selten Reduktionsfehlbildungen der Extremitäten.
Apparative/Labordiagnostik
Rö-Hand: häufig Brachymetacarpie I
Chromosomenanomalien uneinheitlich, nicht diagnostisch verwertbar.
Bewertung
Bisher ist die Diagnose rein klinisch, das heißt sie gründet sich auf die facialen Veränderungen plus Minderwuchs, Mikrozephalie, Entwicklungsverzögerung und nicht selten Reduktionsfehlbildungen der Extremitäten. Schwierig wird die Diagnose in nur milde ausgeprägten Fällen mit nur geringer Intelligenzminderung.
Ausschlußdiagnostik
Nicht sicher möglich.
Nachweisdiagnostik
Nicht möglich.
Entbehrliche Diagnostik
Routine-Chromosomenanalyse mit Bandenauflösung < 400 Banden.
Durchführung der Diagnostik
Klinischer Genetiker, Syndromen erfahrener Pädiater.
THERAPIE
Kausale Behandlung
Nicht möglich.
Symptomatische Behandlung
Behandlung von Herzfehlern, Nierenfehlbildungen.
Medikamentöse Therapie
Antibiotika bei den gehäuften Atemwegserkrankungen.
Chirurgische Therapie
Korrektur von Herzfehlern, OP von Hernien, Pylorus- und/oder Duodenalstenose.
REHABILITATION
In den meisten Fällen nicht möglich, da meist eine erhebliche geistige Behinderung vorliegt. In leichteren Fällen kann die Entwicklung durch allgemeine Förderungsmaßnahmen wie Krankengymnastik, Frühförderung und Ergotherapie positiv beeinflußt werden.
PRÄVENTION
In der Regel nicht möglich. Die Verdachtsdiagnose kann pränatal per Ultraschall geäußert werden, wenn Reduktionsfehlbildungen der Extremitäten in Kombination mit Minderwuchs und Mikrocephalie vorliegen. Die meisten Fälle sind sporadisch, das Wiederholungsrisiko ist sehr gering (< 1%).
LITERATUR
- Jackson, L., Kline, A.D., Barr, M.A., Koch, S.: De Lange Syndrome: a clinical review of 310 individuals. Am. J. Med. Genet. 47: 940-946, 1993