A16 Noonan Syndrom
Stand: Januar 2002
Stand: Januar 2002
DEFINITION
Als Noonan Syndrom wird ein relativ häufiges Dysmorphie-Syndrom beschrieben, das durch Ähnlichkeiten mit dem Turner-Habitus, unauffälligen Karyotyp, angeborenen Herzfehler und - in einem Teil der Fälle - geistige Retardierung charakterisiert ist. Vermuteter Genort Chrom. 12q24 zwischen den Markern D12S84 und D12S366. Viele sporadische Fälle. Bei familiären Beobachtungen autosomal dominanter Erbgang, bevorzugt über betroffene Mutter vererbt. Im männlichen Geschlecht hufig Infertilität, besonders bei Retentio testis. Klinisches Bild sehr variabel.
Diff. diagn.: Neurofibromatose - Noonan Syndrom - Gen auf Chrom. 17q11.2.
LEITSYMPTOME
- Postnataler Kleinwuchs. Endgröße Männer 162,5 cm, Frauen 152,7 cm
- Hypertelorismus, antimongoloide Lidachsenstellung, Ptosis, Epikanthus, Myopie, tiefsitzende, dysplastische Ohren, verschieden-schwere Hörstörung, hoher Gaumen, Mikrognathie, Pterygium colli - Gesichtsdysmorphien im Kindesalter deutlicher als im Erwachsenenalter
- Congenitale Herzfehler, bevorzugt Pulmonalstenose, hypertrophe Kardiomyopathie, Septumdefekte, Aortenisthmusstenose, offener Ductus Botalli
- Schildthorax, Hühner- oder Trichterbrust
- Hypogonadismus besonders im männlichen Geschlecht, Kryptorchismus, nicht selten mit der Folge einer Infertilität
- Cubitus valgus, Klinodaktylie
- Sprachentwicklungsstörung, geistige Retardierung (ca. 25%)
- Blutungsneigung infolge Thrombozytopenie und Partialdefizienz der Gerinnungsfaktoren XI, XII und XIII
DIAGNOSTIK
Zielsetzung
Frühzeitige Erfassung klinischer Verdachtsmomente und Suche nach behandlungsbedürftigen und behandlungsfähigen Begleitstörungen an Herz, Gehör, Urogenitaltrakt und Gehirn.
Klinische Diagnostik
Frühzeitig: Kardiologische Diagnostik bezügl. Herzfehler,
Ultraschall Niere, Kryptorchismus?
Hörprüfung.
Kleinkindalter: Beobachtung von Sprachentwicklung, geistiger Entwicklung und Wachstum, Hörproblemen, auf zerebrale Symptome achten, gehäuft cavernöse Haemangiome.
Erwachsenenalter: Auf Schilddrüsenstörung achten, Autoimmunthyreoiditis gehäuft, gelegentlich Entwicklung von Schwannomen.
Apparative/Labordiagnostik
Echokardiographie, Ultraschall Niere, ggf. CCT und MRT des Gehirns, Gerinnungsfaktoren, im Erwachsenenalter (Männer) FSH, Schilddrüsendiagnostik.
NACHWEISDIAGNOSTIK
Klinisches Bild, Chromosomenanalyse besonders bei Mädchen. Bei familiärem Vorkommen evtl. indirekter Mutationsnachweis auf Chrom. 12q24.
Ausschlußdiagnostik
Chromosomenaberration, z.B. 45,X oder Mosaiknachweis 45,X/46,XX.
Entbehrliche Diagnostik
Chromosomenanalyse, wenn charakteristischer Aspekt und normale sexuelle Entwicklung, ggf. bereits Nachkommen.
Durchführung der Diagnostik
Pädiater, Kardiologe, Urologe, Otologe, Klinischer Genetiker/Genetischer Berater
Molekulargenetiker eher selten.
THERAPIE
Kausale Behandlung
Nicht möglich.
Symptomatische Behandlung
Ggf. Hörgeräteversorgung, logopädische Betreuung, falls erforderlich Orchidopexie.
Verhütung von Komplikationen.
Medikamentöse Therapie
Symptomatisch, falls erforderlich, ggf. Hormontherapie.
Interventionelle Therapie
Ggf. Herzoperation.
REHABILITATION
Förderung einer normalen psychosozialen Eingliederung, besonders bei deutlicher Kleinwüchsigkeit und geistiger Retardierung. Kontaktsuche zu Selbsthilfegruppe.
PRÄVENTION
Primäre Prävention
Genetische Beratung der Eltern. Wiederholungsrisiko bei gesichertem familiären Vorkommen 50%, bei sporadischen Fällen 1 : 10 (empirisches Risiko). Pränatale Diagnostik durch Ultraschalldiagnostik (in Zentrum DEGUM II oder III) möglich: Hygroma colli, Pleuraerguß, Hydrops, kurze Femora, cardiale und renale Fehlbildungen.
Ggf. molekulargenetische Erfassung (indirekter Nachweis) nach Chorionzottenbiopsie. Frage der Konsequenz nach pränataler Erfassung wegen großer Variabilität des Erscheinungsbildes schwer zu beantworten.
Sekundärprävention
- Falls erforderlich, frühzeitige Förderung evtl. Defizite in Sprache und Entwicklung,
- Orchidopexie und ggf. Hormonbehandlung,
- sozialmedizinische Betreuung bei entsprechenden Defiziten.
Tertiärprävention
- Kardiologische Diagnostik, Betreuung und ggf. Operation.
- Ggf. neurologische Überwachung.
- Gerinnungsanalyse vor Operationen.
- Genetische Beratung Betroffener vor Familienplanung.
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