A6 Cutis marmorata teleangiectatica congenita (CMTC, van Lohuizen-Syndrom)
Stand: Januar 2002
DEFINITION/BASISINFORMATION
Meist sporadisch auftretende Erkrankung mit lokaler, oft unilateral oder segmental, oder generalisierter netzförmig angeordneter, livider Hautverfärbung mit Phlebektasien, Teleangiektasien, Atrophien und Ulzerationen, die in der Regel bereits bei Geburt vorhanden ist. Selten tritt die CMTC erst nach der Geburt, innerhalb der ersten zwei Lebensjahre auf. Über einen teilweisen Rückgang der Hautveränderungen in den ersten Lebensjahren wird bei über 50% der Patienten berichtet. Bei einigen Patienten persistieren Residualsymptome. Einige Autoren postulieren einen autosomal dominanten Erbgang mit verminderter Penetranz, andere gehen von einem Mosaikbefund eines sonst letalen, bisher unbekannten autosomal dominanten Gens aus. Exogene teratogene Faktoren werden ebenfalls diskutiert.
LEITSYMPTOME
Hauptmerkmale: lokalisierte, oft unilateral, aber auch generalisierte, netzartig angeordnete, z.T. wegdrückbare livide Hautverfärbungen mit Teleangiektasien, Phlebektasien, Ulzera, Atrophien.
Häufige assoziierte Anomalien: Hypotrophie/Hypertrophie der betroffenen Extremität, Veränderungen am Skelettsystem, insbesondere terminale transversale Extremitätendefekte, konnatales Glaukom, Naevus flammeus, Hämangiom (kapillär/kavernös).
Seltene assoziierte Anomalien: Anomalien der Haut (Aplasia cutis congenita, kongenitale Pigmentzellnaevi, kongenitale generalisierte Fibromatose), Gefäßanomalien (venöse Malformationen, Fehlbildungen der großen Arterien, zerebrovaskuläre Malformationen, persistierender Ductus arteriosus), Auffälligkeiten des Schädels/ZNS (Makrozephalie, Schädelasymmetrie, dystrophe Zähne, Gaumenspalte, mentale Retardierung, Epilepsie, Porenzephalie), Anomalien des Bewegungsapparates (Spina bifida, Syndaktylie), sonstige (bilaterale Retinaablösung, essentielle Hypertonie, angeborener Pneumothorax, neonataler Aszites, Anus imperforatus, rectovaginale/urethrovaginale Fistel, Klitorisaplasie).
DIAGNOSTIK
Zielsetzung
Diagnose mit Therapieeinleitung möglichst frühzeitig, insbesondere im Hinblick auf assoziierte Anomalien.
Klinische Diagnostik
Die z.Zt. ausschließlich klinische Diagnose der CMTC wird anhand der oben beschriebenen Leitsymptome gestellt. Meistens bestehen die Auffälligkeiten bereits bei der Geburt.
Apparative/Labordiagnostik
- Ophthalmologische Diagnostik z.A. eines Glaukoms
- Neuroradiologische Diagnostik z.A. von Hirnfehlbildungen
- Orthopädische/radiologische Diagnostik zur Klassifizierung von Skelettfehlbildungen
Bewertung
Die Diagnosestellung CMTC basiert auf der klinischen Einschätzung. Differentialdiagnostisch müssen die physiologische Hautmarmorierung des Neugeborenen, das Klippel-Trenaunay-Syndrom, die Livedo racemosa, das Sturge-Weber-Syndrom, das Servelle-Martorell-Syndrom und der neonatale Lupus erythematodes erwogen werden. Liegt eine Kombination der CMTC mit Extremitäten- und Kopfhaut-/Schädelfehlbildungen vor, wird ein Adams-Oliver-Syndrom als mögliche Maximalvariante diskutiert.
Nachweisdiagnostik
Keine.
Ausschlußdiagnostik
Klinische Abgrenzung von den o.g. Differentialdiagnosen.
Entbehrliche Diagnostik
Hautbiopsie, da die histologische Untersuchung die Diagnose CMTC nicht eindeutig sichern kann und zur Abgrenzung von den Differentialdiagnosen keinen wesentlichen Beitrag liefert.
Durchführung der Diagnostik
Pädiater, Dermatologen, Humangenetiker, Orthopäden, Ophthalmologen.
THERAPIE
Kausale Behandlung
Entfällt.
Symptomatische Behandlung
- Kälteschutz
- Krankengymnastik, insbesondere bei Hypo-/Hypertrophie einer Extremität oder Körperhälfte
Medikamentöse Therapie
Antiinfektiöse Externa bei begleitenden Ulzera.
Chirurgische Therapie
Goniotomie/Trabekulotomie bei konnatalem Glaukom.
BETREUUNG/REHABILITATION/PROPHYLAXE
Nach Diagnosestellung Aufklärung der Eltern über:
- Verlauf (häufig spontane Rückbildungstendenz in den ersten Lebensjahren)
- Diagnostische Abklärung von möglichen assoziierten Anomalien
- Komplikationen (Ulzera, Atrophien, Residualsymptome)
- Unterstützende Krankengymnastik
- Messungen des Augeninnendrucks
- Kontrollen des Schädelwachstums
- Entwicklungsneurologische Kontrollen
LITERATUR
- Björnsdottir US, Laxdal T, Björnsson J (1988) Cutis marmorata telangiectatica congenita with terminal transverse limb defects. Acta Paediatr Scand 77: 780-782
- Happle R (1987) Lethal genes surviving by mosaicism: a possible explanation for sporadic birth defects involving the skin. J Am Acad Dermatol 16: 899-906
- Kolde G, Happle R (1987) Cutis marmorata teleangiectatica congenita (Van-Lohuizen-Syndrom). Hautarzt 38: 101-103
- Lohuizen CHJ van (1922) Über eine seltene angeborene Hautanomalie (Cutis marmorata teleangiectatica congenita). Acta Derm Venerol (Stockh) 3: 202-211
- Mayser P, Spornraft P, Gründer K, Schill W-B (1992) Cutis marmorata teleangiectatica congenita (Van Lohuizen-Syndrom). Hautarzt 43: 721-723
- Morgan JM, Naisby GP, Carmichael AJ (1997) Cutis marmorata telangiectatica congenita with hypoplasia of the right iliac and femoral veins. Br J Dermatol 137: 119-122
- Picascia DD, Esterly NB (1989) Cutis marmorata telangiectatica congenita: Report of 22 cases. J Am Acad Dermatol 20: 1098-1104
- Rupprecht R, Hundeiker M (1997) Cutis marmorata teleangiectatica congenita. Hautarzt 48: 21-25
- Stephan MJ, Hall BD, Smith DW, Cohen MM (1975) Macrocephaly in association with unusual cutaneous angiomatosis. J Pediatr 87: 353-359
- Weilepp AE, Eichenfield LF (1996) Association of glaucoma with cutis marmorata telangiectatica congenita: A localized anatomic malformation. J Am Acad Dermatol 35: 276-278