A15 Neurofibromatose Typ I
D. Horn, J. Kunze

Stand: Januar 2002

ICD 10 Nummer: Q 85.0

DEFINITION UND BASISINFORMATION

Die Neurofibromatose Typ 1 ist eine Multiorganerkrankung mit einem weiten Spektrum von cutanen, ossären und neurologischen Symptomen sowie der Neigung zu benignen und malignen Tumoren des Nervensystems.

Der Basisdefekt bei der Neurofibromatose Typ 1 wird durch eine Mutation eines Tumorsuppressorgens (NF1-Gen), welches auf dem Chromosom 17q11.2 lokalisiert ist, verursacht. Das NF1-Genprodukt Neurofibromin bewirkt die Aufspaltung und Hemmung des die Zellteilung aktivierenden Komplexes von Produkten der RAS-Protoonkogene. Durch das Fehlen von Neurofibromin infolge einer Mutation werden die RAS-Proteine in ihrer Zellteilung fördernden Funktion aktiv.

Die Neurofibromatose Typ I hat eine autosomal-dominante Grundlage mit variabler Expressivität und vollständiger Penetranz.

Häufigkeit 1:3000 bis 1:4000, in 50% Neumutationen.

LEITSYMPTOME

Café-au-lait-Flecken, Neurofibrome, ephelidenartige Fleckung (freckling) in den großen Körperfalten, Lisch-Knötchen (Iris-Hamartome), Opticusgliom, Makrozephalus, Skoliose, Pseudoarthrose, Entwicklungsverzögerung, Lernstörungen.

DIAGNOSTIK

Zielsetzung

Diagnosesicherung so früh wie möglich zur regelmäßigen interdisziplinären Betreuung und Früherkennung altersspezifischer Komplikationen.

Zusammenstellung diagnostischer Verfahren

Bewertung

Klinische Diagnostik nach den NIH-Kriterien ist aufgrund des altersspezifischen Auftretens von Symptomen und der starken Variabilität in manchen Fällen problematisch.

Kinder bis zum Alter von 8 Jahren und mehr als 6 Café-au-lait-Flecken über 5 mm, aber keinem weiteren erfüllten Kriterium, sollten daher betreut werden wie Kinder mit gestellter Diagnose Neurofibromatose.

Ausschlußdiagnostik

Nichterfüllen der klinischen Kriterien.

Nachweisdiagnostik

Nachweis einer Mutation im NF1-Gen, Mutations-Screening durch verschiedene molekulargenetische Verfahren, derzeit über 100 verschiedene Mutationen bekannt. Bei zusätzlicher Symptomatik (craniofaciale Dysmorphiezeichen, schwere mentale Retardierung) Untersuchung auf Mikrodeletion im entsprechenden chromosomalen Bereich (5-10% der NF1-Patienten) durch molekular-cytogenetische Methoden.

Entbehrliche Diagnostik

Chromosomenanalyse.

Durchführung durch

Pädiater, Klinischen Genetiker, Molekulargenetiker.

THERAPIE

Symptomatische Therapie

Chirurgische Therapiemaßnahmen

Korrektur schwerer Kyphoskoliosen und starker Tibiaverkrümmung, Behandlung anderer neuraler Tumoren nach den gleichen Richtlinien wie in der allgemeinen Population, in Ausnahmefällen bei Optikusgliom, unter kosmetischem Aspekt bei Neurofibromen.

Medikamentöse Therapie

Nach Symptomatik.

BETREUUNG/REHABILITATION/PRÄVENTION

LITERATUR
  1. De Bella K, Szudek J, Friedman JM (2000): Use of the National Insitutes of Health Criteria for Diagnosis of Neurofibromatosis 1 in Children. Pediatrics 105, 608-614
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  3. Huson SM, Hughes RAC (1994) The Neurofibromatoses; A Pathogenetic and Clinical Overview. 1st ed. Chapman & Hall Medical, London
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